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Paul Emil von Lettow-Vorbeck

Und die Frage: wie konnte jemand, der am Tod tausender beteiligt gewesen war, überhaupt Ehrenbürger werden?

 

 

Kommentar

(phelan) Der Maji Maji Aufstand, als direkte Konsequenz des Versuches der Einführung der Geldwirtschaft in Deutsch-Ost-Afrika und der damit einhergehenden Hüttensteuer, die ersten massiven Angriffe auf koloniale Stellungen, deren Abwehr und die daraus resultierende Guerilla-Taktik wurden schon angesprochen. Aber sehr knapp. Ich erlaube mir hier ein Referat zur deutschen Kolonialpolitik zu zitieren: 'Sie änderten ihre Strategie dahingehend, daß sie die "Massenangriffe" einstellten und zur Guerillataktik übergingen. So konnten sie ihre waffentechnische Unterlegenheit besser ausgleichen. Sie hatten die besseren Geländekenntnisse und konnten jederzeit die deutschen Kolonnen angreifen. Da die deutsche Kolonialverwaltung wußte, wie lange sich ein solcher Guerillakrieg hinziehen konnte, versuchte man den Maji-Kriegern die Versorgungsbasis zu entziehen, damit diese aus Mangel an Verpflegung aufgeben mußten. Die deutsche Führung entschloß sich zur Strategie der "verbrannten Erde": Beschlagnahme und Vernichtung von Nahrungsmitteln und der Ernte auf den Feldern, der Fortnahme des Viehs sowie der Zerstörung der Dörfer, Brunnen, und der Nahrungsmittellager in den Kriegsgebieten hatte nun den Vorrang vor der eigentlichen Bekämpfung des Gegners. (!)
Nachdem auch der kampfstärkste Stamm bezwungen war, wurden die geflohenen Rebellenführer gesucht und hingerichtet. Diese Aktionen dauerten noch bis ins Jahr 1907. Damit waren die Leiden für die Bevölkerung aber noch nicht zu Ende. Durch die "Verbrannte Erde"-Aktionen brach nun eine große Hungersnot aus Genaue Zahlen über die Menschen, die durch direkte und indirekte Kriegseinwirkung gestorben waren, gibt es nicht. Genauso schlimm wie die Verluste an Menschen war die Verwüstung der Landschaft und des Kulturbaus. Die Niederlage der Einheimischen war vollständig und vernichtend. Die deutsche Kolonialverwaltung hatte genauso wie in Südwestafrika den Tod von Hunderttausenden in Kauf genommen, um ihren Machtanspruch durchzusetzen.' [Referat]

An diesem Vorgehen der "verbrannten Erde" beteiligte sich in kommandierender Position auch von Lettow-Vorbeck. Um nun aber die deutliche Diskrepanz zwischen diesen Tatsachen und dem Bild, dass viele Deutsche von Lettow-Vorbeck hatten, zu erklären: die Maji Maji Aufständigen rebellierten gegen Kaiser und Reich, an und für sich schon ein Skandal aus der monarchistisch-preußisch geprägten Bevölkerung. Unverzeilich wurde es aber durch die Verwendung der Guerilla-Taktik, da sie nicht dem damals vorherrschenden "ritterlichen" Bild des Soldaten entsprach (man denke in diesem Zusammenhang vielleicht an den Roten Baron, der den Auftragt erhielt sein Flugzeug zu tarnen, aber dieses Verstecken kategorisch ablehnte und statt himmelblau ein sattes Rot für den Anstrich benutzte). Das solche "ritterlichen" Ansprüche meist mehr Fiktion als Realität sind, braucht wohl nicht langatmig ausgeführt zu werden. Betrachtet man aber die Pressemeldungen und Depechen zum Aufstand lässt sich feststellen, dass die Aufständichen zum Schluss nur noch als aus dem Hinterhalt agierende Verbrecher und Mörder galten, was sich so dann in der öffentlichen Meinung widerspiegelte und was durch Regierungsstellen auch aktiv gefördert wurde.

 

Anmerkung

 

(Carsten) Hey Phelan, hierbei ist aber ZWINGEND anzumerken, dass Lettow-Vorbeck zwar in Führungsposition, aber nur niederen Ranges, nämlich als Compagnieführer, eingesetzt gewesen ist. Eine Ablehnung der Befehle in Kriegszeiten wäre in der deutsch-preußischen Armee, die sich zu diesem Zeitpunkt tatsächlich im Krieg befand, nicht als Insubordination ausgelegt worden, sondern als strikte Befehlsverweigerung. Und für solch eine Befehlsverweigerung sah das preußisch geprägte Armeerecht incl. Degradierung die Todesstrafe durch Exekution vor.

Da das Militär außerdem hoch angesehen gewesen ist, die Gesellschaft durch selbiges auch geprägt wurde, ein typisiertes Bild vorherrschte (das nicht mit unserem Soldatenbild einherging), könnte auch als Grund für die minderschwere Einschätzung der, aus heutiger Sicht wohl als Kriegsverbrechen zu bezeichnenden, Vorgänge angeführt werden und das dadurch im Endeffekt überaus positive Bild Lettow-Vorbecks in der Weimarer Republik und im 3. Reich.

 
06.09.2011
 

Eine eigene Meinungsäußerung zu diesem Punkt

Es mutet schon etwas seltsam an, dass die Geschichtsforschung fast bis 2000 damit gewartet hat, um die Kolonialzeit etwas deutlicher zu beleuchten. Auch wenn ich jetzt am Thema vorbeischieße, erlauben Sie mir folgende Anmerkung: die Umbenennung der Straße hätte eigentlich spätestens in den 70er oder 80er Jahren des vorhigen Jahrhunderts geschehen müssen und nicht erst 2010/2011. Denn ein solches Vorgehen hätte im Zuge der Vietnam-Friedensbewegung und den dort teilweise umgesetzten US-Maßnahmen eigentlich als Parallelfälle auffallen müssen. Denn zwischen "Entlaubungsmitteln" und derem Masseneinsatz und dem Verbrennen von Ernten ist - um nur ein Beispiel anzuführen - kein wirklicher Unterschied.

06.09.2011

Heia Safari - die Nicht-NAZI-Version; vermutl. von Heino

(phelan) Nicht martialisch wie das Heia Safari des Afrikacorps, dennoch irritierend. Man kann schon allein an der Tatsache, dass einer der doch bekanntesten Volkssänger dieses Lied sang wohl gut festmachen, wie unbedarf / wie unbefangen man noch nach 1950 mit der Kolonialzeit umging. Vielleicht zu unbedarft? Eine Antwort maße ich mir nicht an, die soll jeder für sich selbst finden.

Wie oft sind wir geschritten
auf schmalen Negerpfad
wohl durch der Steppen Mitten
wenn früh der Morgen naht;
wie lauschten wir dem Klange,
dem alten (ver)trauten Sange
Der Träger und Askari:
Heia, heia, Safari!

 

Steil über Berg und Klüfte
durch tiefe Urwaldnacht;
wo schwül und feucht die Lüfte
und nie die Sonne lacht;
durch Steppengräserwogen
sind wir hindurchgezogen
mit Trägern und Askari:
Heia, heia, Safari!

 

Und saßen wir am Feuer
des Nachts wohl vor dem Zelt,
lag wie in stiller Feier
um uns die nächt'ge Welt;
und über dunkle Hänge
tönt es wie ferne Klänge
von Trägern und Askari:
Heia, heia, Safari!

 

Tret' ich die letzte Reise;
die große Fahrt einst an;
auf, singt mir diese Weise
statt Trauerlieder dann,
daß meinem Jägerohre
dort vor dem Himmelstore
es kling' wie ein Halali:
Heia, heia, Safari!

 

Liedtext-Quelle: Werner Haupt, Die deutschen Schutztruppen 1889-1918, Türmer Verlag 1989.

´Neger (span. negro, frz. nègre von ursprünglich lat. niger für schwarz) ist ein im 17. Jahrhundert in die deutsche Sprache eingeführter Begriff, der Menschen dunkler Hautfarbe bezeichnet und mit ihnen weitere Merkmale verbindet. Das Wort fand zunächst begrenzt Verwendung und bürgerte sich ab dem 18. Jahrhundert mit der Etablierung von Rassentheorien und der inzwischen überholten Vorstellung einer „negriden Rasse“ ein. Sie ist eng mit der Geschichte von Kolonialismus, Sklaverei und Rassentrennung verbunden und erlangte weite Verbreitung, sowohl in der Gelehrten- als auch in der Literatur- und der Alltagssprache. Nach dem Ende des Kolonialismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in der es einem Bedeutungswechsel vom deskriptiven Begriff zum wertenden unterlag, ist seine Verwendung stark zurückgegangen und beschränkt sich heute im Wesentlichen auf die Umgangssprache. Insbesondere in rechtsextremen und rassistischen Kreisen ist die Bezeichnung unverändert Bestandteil des Vokabulars.´[Terminus Neger]

Der Text wurde hinzugefügt, um die Unbedarftheit des Umgangs an einem Begriff deutlich zu machen und nicht um Heino in eine bestimmte Ecke zu stellen. Für den Sänger war es wohl eher ein "hübsches" Wanderlied, nichts mehr...

04.09.2011 - Update 06.09.2011

Kommentar

(Josef Theobald) Thema: Paul Emil von Lettow-Vorbeck Beitrag: Man muss sich vergewissern, dass es bis in die Siebziger Jahre Männer gab, die in beiden Weltkriegen Dienst taten. Diese hatten den ehemaligen Offizier von Lettow-Vorbeck in guter Erinnerung. Da hier im Saargebiet die Gruppe der ehemaligen Frontsoldaten einen großen Einfluss hatte, ist die Begeisterung nach der Rückgliederung des Saarlandes für diesen Ausnahmeoffizier zu verstehen. Nicht wenige ehemalige Offiziere im I. Weltkrieg liebäugelten zwar mit dem NS-Regime, blieben aber oft den preußischen Traditionen im Militärbereich treu. Dies wird von unserer heutigen Jugend oft falsch verstanden. Deshalb sollte dieses Thema sachlich und ohne Emotionen behandelt werden.

03.09.2011

 

Ausgangsartikel:

 

[0]

Ich finde es immer seltsam, wenn sich Menschen herausnehmen über andere Menschen ihr Urteil zu fällen und zu verkünden und dabei die liebe "Objektivität" beschwören. 'Objektivität' - ein großes Wort, oder doch eher eine Worthülse. Wenn es denn schon um kollektive Meinungen geht, bevorzuge ich den Terminus der Intersubjektivität. Denn genau darum handelt es sich - die kollektiven, subjektiven Ansichten, die wohl in den überwiegenden Punkten korrelieren. Der Rest, naja, ist meist Politikern vorbehalten. Die haben sowieso recht häufig die Objektivität als Beleg für sich gepachtet - neuerdings meist ergänzt um den Terminus der Nachhaltigkeit... Vielleicht sollte man dann doch auch mal versuchen nachhaltig objektiv zu sein? (Sollte Ihnen an dieser Stelle ein wohliger Schauer über den Rücken laufen, denken Sie einfach über eine politische Karriere nach. Linguistisch sind Sie schonmal dafür prädistiniert ;-)

Um es gleich am Anfang festzustellen: mir geht es in diesem Artikel nicht um ein Hochjubeln des Paul Emil von Lettow-Vorbeck, aber auch nicht um einen selbstgefälligen Zeriss dieses Mannes, wie ich ihn u.a. dem Flugblatt Aktion 3. Welt Saar lesen "durfte". "Die Blutspur des Lettow-Vorbeck" - was für ein Titel! Was für ein 'Reißer'... oh Objektivität ich hör Dir tappsen...

Es ist schon eine große Aufgabe, wenn Menschen von heute über eine Person und deren Taten um 1900 urteilen wollen. Denn wir leben in einer demokratischen Gesellschaft, wir haben enorm viele Freiheiten, wir haben andere gesellschaftliche Strukturen, eine andere Erziehung genossen, andere Moralvorstellungen vermittelt bekommen. Sich einfach hinzustellen und zu postulieren "aus heutiger Sicht ist der Mann böse und für seine Ehrenbürgerschaft muss man sich schämen" macht ungefähr soviel Sinn wie das Postulat "alle linken Kräfte und Friedensbewegungs-Aktivisten sind von Grunde auf gut und tuen nie etwas Böses". Kommt aber manchmal vor! Beides! So verdammt man Lettow-Vorbeck, aber gleichzeitig bekommt ein Obama den Friedensnobelpreis als Vorschuss auf... ja was eigentlich... Guantanamo blieb offen, weiterhin im Irak stationierte Truppen, Truppen in Afghanistan, Flugangriffe auf Lybien - to be continued. Oder bleiben wir doch - ohne Krätschschritt in Saarlouis. Lettow-Vorbeck böse - Ney gut. Letzterer hat seinen König zweimal verraten, offen rebelliert, an einem europaweitem Krieg mitgewirkt etcpp. Irgendwie passt doch da etwas nicht so ganz. Aber bevor ich noch weiter abschweife, lassen Sie uns mit der Biographie von Lettow-Vorbeck beginnen.

 

Biographie bis zu seiner Kommandeursposition der deutschen Schutztruppe

"Paul Emil von Lettow-Vorbeck (* 20. März 1870 in Saarlouis; † 9. März 1964 in Hamburg) war ein deutscher Offizier, zuletzt General der Infanterie sowie Kommandeur der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika im Ersten Weltkrieg und Schriftsteller. Er stammt aus dem pommerschen Adelsgeschlecht von Lettow-Vorbeck." [1]

1888 Portepee-Fähnrich 4. Garde-Regiment zu Fuß
1889 Sekondeleutnant
1895 Premierleutnant
1901 Hauptmann und Compagnieführer im 3. Garde-Grenadier-Regiment
1900/01 Teilnahme an der Zerschlagung der Boxerbewegung in China

Zur Eingangs erwähnten Blutspur in China ist anzumerken: am 1. internationalen Expeditionskorps wirkte Lettow-Vorbeck nicht mit, am 2. internationalen Expeditionskorps war die Beteiligung - vor allem seiner Person als Teil der 1. Ostasiatischen Brigade - gering; vgl. : 'Die in Europa eingeschifften Truppen kamen allerdings zu spät, um noch am Entsatz Tianjins und Pekings teilzunehmen. Die ca. 20.000 Mann starke alliierte Truppe, die am 4. August in Tianjin abmarschierte, bestand in erster Linie aus britisch-indischen, russischen, japanischen und von den Philippinen nach China verlegten US-amerikanischen Truppen; Deutsche, Franzosen, Österreicher und Italiener beteiligten sich nur mit einigen Abteilungen Marineinfanterie.'

1904 Adjutant bei General von Trotha, dem Oberbefehlshaber der deutschen Truppen in Deutsch-Südwest-Afrika

1905 Compagnieführer bei der Niederschlagung der Aufstände von Hereros, Hottentotten und Witbois

1904-1907 Beteiligung an der Niederschlagung des Herero- sowie des Nama-Aufstands in Deutsch-Südwestafrika, die mit dem Tod Zehntausender Afrikaner enden. [3]

Gegen einen offenen Feind kämpfe mit Ritterlichkeit! Lassen Sie mich versuchen, diesen markigen Leitsatz als Begründung heranzuführen, von einem Trotha und seinen rass. Beweggründen einmal abgesehen. Die deutschen Truppen waren die Guerilla-Taktiken der Herero nicht gewohnt und folglich gab es auch kein Patentrezept. Sie boten keine klaren Frontlinien, keine angreifbaren Stellungen. Die Truppen vor Ort mussten folglich gegen die "nicht-ritterlich kämpfenden" (Br.Sam., Bonn) Herero neue Taktiken entwickeln, was einmal zur Besetzung u.a. der Wasserstellen führte und zum anderen zu den Massen-Exekutionen (vgl. Bildmaterial auf afrika.rodena.de); Vergleichbares kam aber vorher wie nachher noch vor: "Im Algerienkrieg griff die französische Regierung zur routinemäßigen Folter von Inhaftierten und summarischen Exekutionen (sogenannte Französische Doktrin), im Vietnamkrieg gehörte die Entwaldung ganzer Landstriche durch Chemikalien, die Zerstörung von Ernten, Politische Säuberungen und vereinzelte Massaker zu den Maßnahmen der US-Streitkräfte und der südvietnamesischen Armee. Darüber hinaus initiierte die CIA das sogenannte Phoenix-Programm, die gezielte Tötung kommunistischer Kader des Vietcong."[4]
Dieser 'Einwand' soll übrigens nicht beschönigen oder die Taten abmildern, er soll lediglich erklären wie es dazu gekommen ist/sein kann.

Fakt: Die freiwillige Beteiligung an den Maßnahmen gegen den Herero-Aufstand
sind aus heutiger Sicht heftig zu kritisieren.

 

1907 Major im 11. Armeekorps

1909 Ernennung zum Kommandeur des 2. Seebatallions in Wilhelmshaven.

1913 Oberstleutnant und Kommandeur der deutschen Schutztruppe in Kamerun

1914 April: Kommandeur der Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika. August: Verteidigung Deutsch-Ostafrikas; Sieg bei Tanga.


Ergolgreiche Verteidigung durch deutsche Schutztruppe, vor allem Askari-Krieger

1914-1917 Oberst

1917 10. Oktober: Eichenlaub zum "Pour le Mérite" und Entgegennahme des Verdienstordens "Pour le Mérite", dessen Verleihung erfolgte schon am 4. Oktober 1916.

1917/18 "Die deutschen Soldaten werden aus Deutsch-Ostafrika gedrängt und müssen zeitweise nach Portugiesisch-Ostafrika (heute: Mozambique) ausweichen. Dennoch setzt Lettow-Vorbeck den Kampf fort. Nach der Schlacht bei Mahiwa Mitte Oktober 1917, die mit einer weiteren Niederlage für die britischen, portugiesischen und belgischen Truppen endet, wird er zum Generalmajor ernannt." [3] Pikant - seine schweren Waffen, die Schutztruppe hatte am Anfang keine Kanonen und nur wenige moderne Karabiner, stammten aus der Beute der ersten Schlacht.


Erbeutete englische Kanonen werden gegen die Engländer gerichtet.

Fakt: Die deutsche Schutztruppe bestand aus nie mehr als 14.000 Soldaten - 3.000 Deutsche und 11.000 Askaris. Sein Ziel "soviele alliierte Truppen wie möglich vom Hauptkriegsplatz in Europa zu binden", erreichte er dabei. So wurden von 1914-1918 130.000 bis zu 300.000 britischer, belgischer und portugiesischer Truppen wurden nach Ostafrika beordert.

Faktoren, die dieses sehr ungleiche Kräfteverhältnis 'abmilderten':
(1) Seine Kenntnis der britischen Strategie durch Teilnahme am IExpK gegen die chinesischen Boxer.
(2) Seine Guerillakampferfahrung beim Einsatz gegen die Hereros in Deutsch-Südwestafrika.

1918, 25. November: Lettow-Vorbeck ergibt sich südlich des Tanganyikasees bei Abercorn den britischen Streitkräften, bei denen er sich den Ruf als fähigster Kolonialsoldat des Ersten Weltkrieges erworben hat.

1920, 30. Januar Ritterkreuz des Militär-St.-Heinrichs-Ordens

 


Berlin begrüßt Lettow-Vorbeck (Erklärungsansatz: einer der wenigen "Helden" des 1. Wk)

 

Fakt: Lettow-Vorbeck kam mit 143 deutschen Soldaten - von ehemals 3.000 deutschen Soldaten - aus dem Krieg in die Heimat zurück. Er kämpfte auch aus der hinterster Linie (analog.: Verteidigungsministerium), sondern direkt an der Front (analog.: Afghanistan), bei einem durchschnittlichen Kräfteverhältnis 1:8 gegen die deutsche Schutztruppe.

 

Aber: 100.000 Lastenträger auf deutscher sowie rund 300.000 Lastenträger auf englischer Seite zahlten den
Preis dieses Krieges, der eigentlich nie wirklich ein deutsch-englischer Krieg gewesen ist, betrachtet man die
verschwindent geringen Zahlen der europäischen Soldaten.

 


[5]

 

Freikorps und Kapp-Putsch

"In Hamburg begannen am 23. Juni 1919 Aufstände wegen verdorbener Lebensmittel (die sogenannten Sülzeunruhen). Vier Tage nach Ende der Unruhen marschierte Lettow-Vorbeck mit dem „Korps Lettow“ am 1. Juli 1919 in Hamburg ein, obwohl bereits wieder die Ordnung hergestellt worden war. Von Lettow-Vorbeck trat mit seinem Korps der von Korvettenkapitän Hermann Ehrhardt geführten Marine-Brigade Ehrhardt als Divisionskommandeur bei. Entgegen falschen Behauptungen wurde Lettow-Vorbeck 1920 nicht wegen seiner Teilnahme am Kapp-Putsch vor ein Kriegsgericht gestellt, er wurde lediglich bis zur Klärung der Vorfälle beurlaubt. Aus dem Militärdienst wurde er mit einer Beförderung zum Generalleutnant unter Beibehaltung seiner Pensionsansprüche und mit dem ehrenden Recht, weiterhin seine Uniform tragen zu dürfen, erst im August 1920 aus der Reichswehr entlassen. Ein Prozeß vor dem Reichsgericht wegen angeblichen Hochverrats fand nicht statt; nach Voruntersuchung durch das Reichsgericht hinsichtlich der ihm vorgeworfenen Beteiligung an diesem Vorgang durch gutgläubige Unterstellung der von ihm befehligten Reichswehrbrigade 9 an General v. Lüttwitz als direkten Dienstvorgesetzten erging vom Reichsgericht Einstellungsbeschluss vom 20. Sept. 1920 (Quelle: Bundesarchiv N 103/55)." [1]

Soviel also zu diesem Thema...

 

 

Weimarer Republik und Zeit des Nationalsozialismus

Lettow-Vorbeck blieb Anhänger des Kolonialrevisionismus, dessen Ziel es war, den Status der deutschen Kolonien wiederherzustellen. Als Erklärungsansatz könnte man hierfür einmal die ganz persönlichen Beweggründe, im Sinne von "das kann doch nicht alles umsonst gewesen sein" heranführen (Beinahe-Verlust des Auges, Kriegsjahre) und zum anderen - als Analogon zu den frz. Streitkräften nach Verlust Algerien/Vietkong- die Schmach des Offiziers. Und ja: aus heutiger Sicht schwer nachzuvollziehen.

1919 Mitglied im Frontsoldatenbundes Stahlhelm

"1926 konnte er durchsetzen, dass die ehemaligen Askari der deutsch-ostafrikanischen „Schutztruppe“ den seit 1917 noch ausstehenden Sold erhielten und außerdem eine kleine Rente, die auch später durch die Bundesrepublik Deutschland weitergezahlt wurde." [1]

1928 v. Lettow-Vorbeck wird für die Deutschnationalen Volkspartei - DNVP - in den Reichstag gewählt

1930 Wechsel zur Volkskonservativen Vereinigung; deutliches Indiz seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem Rechtsruck der DNVP.

1933 Hitlers Offerten und deren Ablehnungen. Lettow-Vorbeck trat trotz mehrfacher Aufforderung nicht der NSDAP bei und lehnt die Leitung des ihm angebotenen Reichskolonialministeriums ab.

Zu ergänzen um:

"Im Juni 1934 sprengte ein SA-Rollkommando einen Vortrag von Lettow-Vorbeck vor ehemaligen Angehörigen der „Schutztruppe“, Mitgliedern des „Stahlhelms“ und Freunden, und verprügelte die Anwesenden einschließlich Lettow-Vorbeck. Sein Protest bei Hitler hatte keine größeren Folgen.

Propagandaminister Joseph Goebbels notierte am 21. Januar 1938 über Lettow-Vorbeck in seinem Tagebuch: „Auch so ein Reaktionär!“ Und wenig später: „Lettow-Vorbeck stänkert gegen den Staat und gegen die Partei. Ich lasse ihm das öffentliche Reden verbieten.“ So passte beispielsweise Lettow-Vorbecks öffentlich geäußerte Hochachtung vor den Askaris nicht ins rassistische Weltbild der Nationalsozialisten. Nachdem er wieder öffentlich reden durfte, vermied Lettow-Vorbeck verbale Attacken auf Staat und Partei und befasste sich ausschließlich mit Kolonialfragen und Kriegserinnerungen." [1]

 

Fakt ist: Sein Auftreten als Monarchist und Kolonialrevisionist, seine aus heutiger Sicht
nicht genügende Anfangsdistanz sind legitime Kritikpunkte.

 

 

1956 Lettow-Vorbeck wurde Ehrenbürger der Stadt Saarlouis

 


Bilder seiner Beerdigung - anwesend auch Askari-Veteranen

 

Was bleibt nun zum Abschluss festzustellen...

Lettow-Vorbeck hatte sich für eine militärische Laufbahn entschieden und diese mit größtem Können beschritten, was zwei Tatsachen zeigen, die weder etwas mit meiner eigenen Meinung, noch mit extrem ungleichen Kräfteverhältnis in Afrika zu tun haben:

(1) Sein langjähriger Gegner, der südafrikanische General Jan Christiaan Smuts, wurde ihm ein lebenslanger Freund.

(2) "The Times" schrieb in ihrem Nachruf vom 14. März 1964: "Paul von Lettow-Vorbeck, der am Montag im Alter von 93 Jahren starb, gewann verdientermaßen ein hohes Ansehen als Befehlshaber in Ostafrika während des Ersten Weltkrieges. Seine Landsleute sahen in ihm einen ihrer größten Nationalhelden, und bei seinen Gegnern, sowohl Briten wie Buren, galt er als ein geschickter, großherziger und ritterlicher Soldat."

(3) Das Verhältnis der Askari-Soldaten zu "ihrem" General - wobei diese Aussage aber mehr auf die privaten Korrespondenzen und Treffen und weniger auf unten befindliches Video (und seine meines Erachtens doch in Szene gesetzten Aussagen) zu beziehen ist.

 

Das Soldaten im Krieg Menschen töten ist leider trauriger Fakt. Natürlich wäre eine Welt ohne Krieg schöner, lebenswerter... aber wenn schon Krieg herrscht, dann sollte man differenzieren, wie jemand und aus welchen Gründen er handelt. Und ob man von Lettow-Vorbeck nun derart verdammen muss, wie es in letzter Zeit geschah, teilweise auch noch mit ungenauen und falschen Angaben, dass sei in den Raum gestellt. Mich selbst würde interessieren, wie so manch ein lautstarker Kritiker in der damaligen Zeit, bei Prägung durch das damalige Umfeld, an seiner Stelle reagiert hätte.

Hoffen wir einfach mal, dass zukünftige Generationen mit allen Taten, die wir uns so leisten, gnädiger umgehen werden.

 

 

Ich hoffe mit diesem Artikel einige Anregungen gegeben zu haben, damit man etwas besser nachvollziehen kann, wie es dazu kam, dass vorherige Generationen in Lettow-Vorbeck einen Mann sahen, der es 'wert' gewesen ist, ihn zum Ehrenbürger zu ernennen und Straßen nach ihm zu benennen.

Was ich definitiv nicht beabsichtige ist eine neue Straße zur Benennung vorzuschlagen, ein getätigte Umbenennung zu kritisieren oder die Person zu glorifizieren.

Auch ich bin halt ein etwas neuerer Jahrgang. Und die tausenden Opfer sind Fakt. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass ich Kolonialpolitik in jeglicher Ausprägung ablehnend gegenüberstehe.

 

 

 

(peregrin, 2011)

 

 

[0] Lettow-Vorbeck, Paul von: General der Schutztruppen in Deutsch-Ostafrika, Deutschland. 1904. Bundesarchiv, Bild 183-2007-0621-500 / Giese, Emil / CC-BY-SA.

[1] Seite „Paul von Lettow-Vorbeck“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 15. Juli 2011, 21:41 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Paul_von_Lettow-Vorbeck&oldid=91277080 (Abgerufen: 3. September 2011, 02:49 UTC)

[2] Seite „Boxeraufstand“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 2. September 2011, 10:07 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Boxeraufstand&oldid=93164227 (Abgerufen: 3. September 2011, 02:44 UTC)

[3] Seite http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/LettowVorbeckPaul/

[4] Seite „Guerilla“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 27. August 2011, 22:22 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Guerilla&oldid=92959930 (Abgerufen: 3. September 2011, 04:07 UTC)

[5] General Paul Emil von Lettow-Vorbeck surrendering his forces to the British at Abercon (present-day Mbala) in Northern Rhodesia. November 1918. Dieses Werk ist älter als 70 Jahre und sein Erschaffer nicht bekannt. Nach der Berner Konvention und den Gesetzen vieler Länder gilt dieses Werk als gemeinfrei.

[Terminus Neger] Seite „Neger“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 22. Juli 2011, 11:34 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Neger&oldid=91532990 (Abgerufen: 5. September 2011, 22:22 UTC)

[Referat] http://bildung.freepage.de/fbs/ge_ostaf.htm

 

 

Wegen des ausbrechenden 1. Weltkrieges nicht mehr umgesetzte Flaggenentwürfe von Kamerun und Ostafrika im Jahre 1914.

   

 

 

Hinweis:  

Bildmaterial aus der Zeit des 3. Reiches: Wir versicheren, dass die von uns angebotenen zeitgeschichtlichen Photographien und Texte aus der Zeit von 1933 bis 1945 nur zu Zwecken der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger und verfassungsfeindlicher Bestrebungen, der wissenschaftlichen und kunsthistorischen Forschung, der Aufklärung oder Berichterstattung über die Vorgänge des Zeitgeschehens angeboten werden, gem. Paragraph 86 und 86a StGB.

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